Die Verordnung mit der Güllesperrfrist ist Mist

Offener Brief an das Landwirtschaftsministerium, an die Lfl, an die Presse und an Sie

Während einem immer größer werdenden Anteil der Bevölkerung nicht mehr bewusst ist, dass bei der Haltung von Rindern und Schweinen nicht nur für die Ernährung wichtige Nahrungsmittel wie Milch und Fleisch erzeugt werden, sondern auch die für die Pflanzenernährung und die Bodenfruchtbarkeit im Sinne der Kreislaufwirtschaft wichtigen organischen Dünger wie Gülle und Mist anfallen, geraten die Landwirte durch eine immer größere Bürokratisierung der Ausbringungsmöglichkeiten in immer größere Bedrängnis.

Für die Landwirte sind die wirtschaftseigenen Dünger wie Mist und Gülle zunehmend auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung. So gehen die Phosphor- und Kalivorräte weltweit aufgrund zunehmender Nachfrage aus China, Indien und osteuropäischen Ländern in naher Zukunft zur Neige.

Durch die weltweit zunehmende Energie- und Rohstoffknappheit, ist eine enorme Verteuerung der leichtwasserlöslichen Mineraldünger (Kunstdünger) absehbar, wodurch der Wert von Mist und Gülle deutlich zunehmen wird.

Da die organischen Dünger aus der Tierhaltung eine solche Wichtigkeit haben, sollten die Landwirte sie auch ausbringen dürfen, wenn es für sie möglichst günstig, gewinnbringend und effizient ist und nicht durch bürokratisch festgelegte Fristen eingeschränkt werden.

Die Güllesperrfrist ist nicht mehr zeitgemäß. In jedem Jahr sind die Witterungsverhältnisse anders. Die Klimaänderung schreitet voran und Wetterextreme nehmen zu. Darüber hinaus herrschen in jeder Region andere Wetter- und Bodenverhältnisse, die Befahrbarkeit der Böden ist unterschiedlich.

Was den richtigen Ausbringungszeitpunkt von Mist und Gülle betrifft, gibt es unterschiedliche, teilweise widersprüchliche und mit Fehlern behaftete Meinungen, Begründungen und Theorien von Institutionen und Wissenschaftlern, deren Gültigkeit zuletzt immer von der Witterung abhängig ist, welche jedoch niemand genau vorhersehen kann. Hier sollte immer die Befahrbarkeit der Böden Vorrang haben.

Tatsache ist, dass es für unsere Böden am Wichtigsten ist, dass es bei der Ausbringung nicht noch zusätzlich zu (Unter-) Bodenverdichtungen kommt, denn auf verdichteten Böden kommt es je nach Wetterlage und Wassersättigung bei der Umsetzung des in der Gülle enthaltenen Stickstoffs nachgewiesener Weise vermehrt zur Bildung von Lachgas. Dies ist ungefähr 300 Mal klimaschädlicher als CO².

Am Spitalhof in Kempten wurde bspw. in längjährigen Gülleversuchen im Grünland festgestellt, dass eine Gülledüngung im Spätherbst bis zum Anfang des Winters eine ebenso gute Düngewirkung bringt wie im Frühjahr, und dass die Gefahr von Aus- und Abschwemmungen dadurch nicht größer ist.

Fazit: Lasst den Bauern mehr Freiraum bei der Ausbringung ihrer eigenen Dünger.
Es sollte lieber öfter und weniger Gülle ausgebracht werden dürfen bei optimaler Befahrbarkeit und Aufnahmebereitschaft des Bodens.

Die Ausbringungsfristen sollten abgeschafft bzw. flexibler gestaltet werden.
Eventuell würde die Einrichtung einer Behörde bzw. Beratungsstelle helfen, eine fachgerechte Gülleausbringung zu gewährleisten. In Erwägung zu ziehen wäre sinnvoller Weise ein Sachkundenachweis für Landwirte, analog der Ausbringung von Pflanzenschutz-mitteln und Tiertransporten. Darüber hinaus sollten für diesen Themenbereich spezielle Schulungen für Bauern bzw. insbesondere der Landwirtschaftschüler angeboten werden, aber zusätzliche Bürokratisierung für die Landwirte sollte vermieden werden.

Die Landwirte sollten ein Recht darauf haben, effektiv und gewinnbringend wirtschaften zu dürfen, denn auch sie sind Unternehmer. Die meisten Landwirte haben heutzutage eine hervorragende Ausbildung, sind gut geschult und sollten auch bezüglich der Gülleausbringung wie mündige Bürger behandelt werden.

Der Bauer hat eine offene Werkstatt und muss witterungsbedingt schnell reagieren können. Die Landwirte leiden ohnehin bereits am meisten unter der zunehmenden Klimaänderung und den Wetterextremen und es werden Ihnen durch die Güllesperrfrist weitere Bürden auferlegt.

Die Möglichkeit, individuell, regional und einzelbetrieblich je nach Wetterlage und Bodenverhältnissen über die Gülleausbringung zu entscheiden, würde enorme Vorteile bringen.

Nicht alle Bauern haben in der Nähe ihrer Stallungen ausreichend große Güllelager und müssen die Gülle „spazieren“ fahren oder umpumpen, obwohl sie sie aufgrund aktueller Witterung kostengünstig, umweltschonend und gewinnbringend auf die Felder hätten ausbringen können.
Beim Umlagern der Gülle wird zusätzlich Energie in Form von Kraftstoff oder Strom verbraucht, außerdem erfolgt beim Umfüllen ein Stickstoffverlust. Die Schaffung weiterer Lagerkapazitäten verursacht bei den Bauern hohe Kosten und trägt weiter zum Bauernsterben bei.

Kommen bspw. (vor oder nach) der Güllesperrfrist extreme Regen- oder Frostperioden, wird es für die Bauern manchmal unwahrscheinlich schwierig, die Gülle sinnvoll auszubringen bzw. einzusetzen. Kurzschlusshandlungen und Effektreaktionen mit all den Negativfolgen können dann das Resultat sein. Eine starke Frostperiode am Ende der Sperrfrist kann bspw. dazu führen, dass sich die Gülle vom Güllelager her in den Kanälen zurückstaut. Verstopfungen sind die Folge, die Gülle läuft nicht mehr ab. Der Landwirt hat zu kämpfen, die Sache wieder ins Laufen zu bringen. Irgendwann läuft das Fass über, und wenn es am Ende nur durch einen Wasserrohrbruch ist.

Das Risiko, dass es zu Abschwemmungen und Verunreinigungen des Oberflächen- und Grundwassers und damit zu weiteren Umweltbelastungen kommt, ist bei der aktuellen Regelung wesentlich größer als bei einer Abschaffung der Frist. In den Wintermonaten ist der Boden in der Regel aufnahmefähiger als im Sommer nach langer Trockenheit.

Bauern zeigen sich bei Verstößen gegen die Sperrfrist gegenseitig an, was zum Unfrieden führt.
Jeder Bürger kann die Bauern bei Zuwiderhandlungen anzeigen, damit werden sie wie Verbrecher behandelt.

Das Hauptproblem in Verbindung mit der Güllesperrfrist ist, dass außerhalb der Frist oft zu große Mengen auf ein Mal ausgebracht werden. Gerade in nassen Jahren kann nur auf einem Teil der Flächen, die trockener sind, ausgefahren werden. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Flächenknappheit und daraus folgendem hohen Futterzukaufs sowie Gärsubstratzukauf, kann es zu enormen Nährstoffverfrachtungen kommen (insbesondere in hofnahen Flächen). Viele Böden sind aufgrund des abnehmenden Humusgehalts, der zunehmenden Bodenverdichtung und der damit verbundenen Abnahme der biologischen Aktivität (bspw. Anzahl der Regenwürmer und Mikroorganismen) zudem weniger aufnahmefähig.
Die Böden werden mit immer schwereren Fässern und Maschinen befahren, die Gefahr der Bodenverdichtung wird weiter erhöht.

An dieser Stelle auch nur kurz meine Ansicht zur bodennahen Ausbringung per Gesetz mit Schlepp-Schlauch-Schlitz- und Injektortechnik. Diese ist sehr kostspielig, störanfällig und mit einer erheblichen weiteren Gewichtsbelastung der Böden verbunden. Bei Hanglagen und kleinen und unförmigen Flächen ist die Ausbringung nicht möglich und überbetrieblich in Problemjahren schwer zu organisieren. Außerdem geht ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Effekt der Gülle-Breitverteilung verloren, denn eine gute Gülle hat bei Blattkontakt eine fungizide (pilzhemmende) sowie phytosanitäre Wirkung. Ein Teil des
Stickstoffs in der Gülle wirkt bei Blattkontakt analog der Stickstoffflüssigdüngung direkt ertragssteigernd. Wir haben bspw. einen MÖSCHA-Schwenkverteiler, bei dem die Gülle regentropfenartig breitflächig (und von oben) ausgebracht wird. Dieser ist kostengünstig und kann problemlos an jedes Güllefass montiert werden.

Die Mikroorganismen im Boden brauchen auch im Winter Nahrung. Die Natur zeigt uns deutlich, dass auch über die Wintermonate eine biologische Aktivität vorhanden ist. Ein Großteil des im Herbst anfallenden Laubes wird über die Wintermonate in den Boden eingearbeitet. So war auch der in früheren Zeiten vielfach im Herbst bis Winter ausgebrachte Mist größtenteils im März/April von der Natur verarbeitet. Die Natur lässt sich nicht in ein Zeitraster bringen und ist auch im Winter aktiv.

Regenwürmer und das Bodenleben machen keinen Winterschlaf, sondern sind eher in trockenen Sommermonaten inaktiv. Bei einer Kontrolle ist festzustellen, dass sich die Regenwürmer in der oberen Bodenschicht aufhalten und auch in wärmeren Winterperioden dankbar wären für eine leichte Güllegabe.

Gerade für mich als erfahrener Landwirt in einem langjährigen Biobetrieb (31 Jahre) ist es äußerst wichtig, dass ich allen Kulturen regelmäßig eine Güllegabe geben kann. Einerseits, um das Bodenleben zu fördern, andererseits um eine ausgewogene Ernährung der Pflanzen zu gewährleisten.

Auf unserem Betrieb bspw. sind über den Winter alle Ackerflächen mit einem Grünbewuchs versehen und es wäre für uns wunderbar möglich gewesen, die Gülle umweltschonend, wachstumsfördernd und schadenfrei auszubringen, aber wir dürfen nicht.

Der Zustand der Gülle ist vielfach vom mikrobiellen und chemisch physikalischen Zustand her gesehen meist verbesserungswürdig und bedarf einer Behandlung.

Damit Sie sehen, dass die Gülle für uns ein äußerst wichtiger Dünger ist, möchte ich auch erwähnen, dass wir seit 30 Jahren auf verschiedenste Art und Weise versuchen, unsere Gülle zu verbessern und aufzuwerten, so dass wir mit geringeren Gaben eine große Wirkung erzielen können.

So setzen wir bspw. Strohmehl zu, um das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff zu verbessern. Steinmehl und Tonmehl binden u. a. Stickstoff. Mineralien und wichtige Spurenelemente werden für die in der Gülle enthaltenen Mikroben bereitgestellt. Holzkohle wird zur Hygienisierung der Gülle zugeführt, Kohlenstoff sowie Milchsäurebakterien senken den PH-Wert der Gülle und verringern die Stickstoffabgasung bei der Ausbringung.
Der Beweis dafür, dass sich die pflegliche Behandlung der Gülle auch qualitativ und quantitativ auswirkt zeigt, dass wir bspw. in 2012 bei der bayrisch-schwäbischen Wiesenmeisterschaft mit einer vierschnittigen Wiese den 2. Platz erzielten. Festgestellt wurde dabei, trotz mehrmaliger Gülledüngungen im Jahr, ein Pflanzenbewuchs mit 49
verschiedenen Klee-, Kräuter-, und Gräserarten und somit ein hochwertiges Futter für unsere Milchkühe. Schön wäre, wir könnten auch im Winter unsere gute Gülle gleichmäßig auf unserer Flächen verteilen.

Es wird Zeit, dass von staatlicher Seite Vernunft und Einsicht eintritt und diese Argumente anerkannt werden, statt die Güllesperrfrist noch zu verlängern und von den Landwirten weitere Lagerkapazitäten bis zu neun Monaten gefordert werden.

Für heuer bleibt nur zu hoffen, dass ab 01. Februar gute Wetterverhältnisse herrschen und wir unsere wertvolle Gülle auch in unsere Getreidebestände fahren können.

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